Parashat vaJetze   פָּרָשַׁת-וַיֵּצֵא

 

Der siebte Parasha/Abschnitt heisst „vajetze“ was „auszog“ bedeutet. Nach dem Vers:
Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran“

Die Parasha Beschreibt die Erlebnisse Jakobs in Haran vom Tag seiner Abreise auf seinem Weg nach Haran, über sein Leben mit Laban bis zum verlassen Harans und zu seiner Rückkehr nach Kanaan. .

Der Abschnitt erfolgt von Anfang bis Ende in einer Reihenfolge, ohne klare zeitliche Unterteilung. Der Abschnitt beginnt und endet mit ähnlichen Ereignissen - Jakob sieht Engel an der Grenze zu Israel.

Auf dem Weg nach Haran schläft Jacob auf dem Feld und träumt. Im Traum sieht er Engel die auf einer Leiter auf- und absteigen, und der Herr steht über ihm und segnet ihn, dass das Land, auf dem er liegt, ihm gegeben wird, und dass der Herr ihn immer beschützen wird.

Jacob geht nach Haran, wo er mit Laban lebt. Er verliebt sich in Rachel, die jüngste Tochter von Laban, und bietet ihm für Rachel an, sieben Jahren bei ihn zu arbeiten. Aber Laban täuscht Jakob und als die sieben Jahre vorbei sind, verheiratet er Jakob heimtückisch mit Leah, der ältesten Tochter. Erst nach weiteren sieben Jahren Arbeit konnte Jakob endlich auch Rachel heiraten. Rachel, Leah und ihre Magd gebären Jakob zwölf Söhnen/die zwölf Stämme und eine Tochter.

Jacob will mit der Grossfamilie nach Hause zurückkehren, doch Laban entzieht ihm mit List seinen Lohn. Jacob schafft trotz aller Schwierigkeiten seine Herde mit einem Trick zu vervielfachen und vermehren, schlussendlich flieht mit seiner Familie aus Haran. Laban verfolgt ihn, aber nach einem Austausch versöhnen sie sich und machen ein Bündnis der Freundschaft miteinander.

 

Parashat/Abschnitt „vaJetze“ beginnt mit 1. Mose, Kapitel 28, Vers 10 und endet im Kapitel 32, Vers 3. 

 

Die Parascha beginnt mit dem folgenden Satz:
„10 Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran 11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. 12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. 13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.“

 

Jakob sieht die Himmelsleiter

Nachdem er (in dem vorherigen Abschnitt) den Segen seines Vaters erhalten hat, beginnt Jakob seine Reise nach Haran. Als die Sonne untergeht, übernachtet Jakob auf dem Berg Moriah/Tempelberg. Er nimmt einige Steine und benutzt sie als Kopfkissen.

In seinem Traum sieht er eine Leiter auf der Erde, sein Spitze reicht bis zum Himmel, und die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Gott wird ihm offenbart und verspricht ihm, dass wohin er auch geht Gott wird ihn behüten, er das Land Israel für seinen Nachkommen erben wird und durch ihn und seine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.

Als Jakob von seinem Schlaf aufwachte nimmt er den Stein auf dem er lag, giesst Öl darauf und segnet den Ort. Er nennt den Ort "das Haus Gottes" und verspricht, wenn er in Frieden zurückkehrt, wird er an diesem Ort ein Haus Gottes bauen, was erst Salomo etwa 1000 Jahren später auf diesem Felsenberg gebaut hat.

Jakob trifft Rachel am Brunnen und dient um Lea und Rahel.

In Haran macht sich Jacob auf den Weg zum Brunnen, wo er Rachel, seine Cousine, trifft. Ihr Vater, Onkel Laban, schlägt vor, dass er für Rahel bei Ihm arbeitet und Jacob antwortet, dass er bereit ist, sieben Jahre lang um Laban jüngste Tochter Rachel zu arbeiten. "Ich will dir sieben Jahre um Rahel, deine jüngere Tochter, dienen".

 

Laban täuscht Jakob

Laban in Heb. Lavan bedeutet Weiss/Reinheit, tatsächlich beschriebt die Tora Laban als habgieriger Mensch und Listig.

Als Jakob die Zustimmung von Laban erhält, arbeitet er sieben Jahre lang und bittet zu gegebener Zeit um seinen Gehalt – Rachel als Braut. Laban aber täuscht ihn und gibt ihm seine ältere Tochter Lea mit der Begründung „es ist nicht üblich, dass man die junge vor der älteren verheiratet wird. Er "entschuldigt sich" und bietet Jakob zusätzlich sieben Jahre Zeit, um für Rachel zu arbeiten. Zusammen mit seinen Töchtern schenkt Laban Jakob ihrer beiden Magde: Bilhah und Zilpa.

 

Leah, Bilah und Zilppa sind mit Kindern gesegnet, während Rachel unfruchtbar bleibt.

Wir lesen in diese Parasha über die Geburt der Stämme. Jacob liebt Rachel mehr, während Rachel erst später ihn 2 Kinder schenken wird.

Die Namen der ersten vier Leah-Söhne: Reuben ("Der HERR hat angesehen mein Elend; nun wird mich mein Mann lieb haben"); Simon ("Der HERR hat gehört"); Levi ("Nun wird mein Mann mir doch zugetan sein") und Juda ("Nun will ich dem HERRN danken").

Rahel nimmt ein Beispiel von Sara an (Grossmutter ihres Ehemanns), die ihren Magd Hagar als Frau für Abraham gab. Rachel bietet Jakob ihre Magd Bilha zur Frau, ihnen wurden zwei Söhne geboren: Dan und Naftali.

Als Lea sah, dass sie aufgehört hatte zu gebären, nahm sie ihre Magd Silpa und gab sie Jakob zur Frau“ und ihnen werden zwei Söhne geboren: Gad und Asser.

 

Liebesäpfeln/Gemeine Alraune*

„Ruben ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem Felde und brachte sie heim zu seiner Mutter Lea“ Rachel bittet von Leah ein paar Liebesäpfel ihres Sohnes und im Gegenzug kann Jakob diese Nacht bei Leah schlafen. G-tt sieht Leahs Bemühungen, wieder würde sie mit ihrem sechsten Sohn schwanger. Sie nennte ihn Issachar ("Gott hat mich reich beschenkt "). Dann hatte sie einen weiteren Sohn geboren - Zebulun ("nun wird mein Mann mich ehren ") und eine Tochter namens Dinah. 

Gott erhörte Rahel Gebet und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und nannte ihn Josef („Der HERR wolle mir noch einen Sohn dazugeben!“)

Volksmedizin: Liebesäpfel/Gemeine Alraune*

Die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum), auch Alraunwurzel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Alraunen (Mandragora) in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Sie wurde seit der Antike als Zauberpflanze geschätzt, ihre Verwendung hat daher eine lange kulturgeschichtliche Tradition. Es gibt viele Legenden und Geschichten über die Liebesäpfel und ihre Verwendung in der Folklore vieler Völker und in der Volksmedizin.

Früher während der Erntetage haben die Beduinen/Araber in Israel die Frucht der Liebesäpfel von den Hirten und Bauern mit grosser Lust verzehrt. Aus Hören Erzählung sind hauptsächlich die verschiedenen Pflanzenteile verwendet, um Schmerzen zu lindern, Schlangenbisse und giftige Skorpion bisse zu lindern und Verbluten zu verhindern. Das Essen der reifen Früchte einige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr soll die männliche Kraft stärken und die Gebärmutter unfruchtbarer Frauen fördern.  

 

Jakob kehrt nach Hause in das Land Kanaan zurück

Jahre vergingen und Jakob hörte die Söhne von Laban über ihn flüstern, weil er auf Kosten ihres Vaters reich wurde. Jacob beschliesst, dass es Zeit ist, nach Hause in das Land Kanaan zu gehen, und er konsultiert Rachel und Leah, seine Frauen. Er erzählt ihnen von dem Traum, in dem der Engel Gottes ihm befahl, in seine Heimat zurückzukehren. Rachel und Leah stimmen dem uneingeschränkt zu. Auf dem Weg gehen sie ohne das Wissen ihres Vaters.
Bevor sie gehen eilt Rachel ohne Jakobs Wissen los, um die Statuen ihres Vaters zu stehlen, mit dem guten Willen, ihn davon abzuhalten, Götzen anzubeten.

 

Der Vertrag zwischen Jakob und Laban

Als Laban von Jacobs plötzlicher Abreise erfährt, verfolgt er ihn. In der Nacht vor dem schicksalhaften Zusammentreffen wird G'tt ihm offenbart und ermahnt ihn, Jakob keinen Schaden zuzufügen.

Als sie sich treffen, beklagt sich Laban, warum Jacob es ihm nicht erlaubt hat, seine Töchter und Enkel zu küssen und sich von ihnen zu verabschieden, bevor er gegangen ist. Er behauptet auch, dass Jacob seine Skulpturen gestohlen hat.

Jacob antwortet: Ich bin heimlich ausgegangen, weil ich befürchtet hatte, du würdest mir deine Töchter von mir reissen. Was die Statuen betrifft, weiss ich nicht wovon du sprichst. „Bei wem du aber deinen Gott findest, der sterbe!“ Laban durchsucht alle Zelte und fand nichts, Rachel hatte den Hausgott/Statuen unter den Kamelsattel gelegt und setzte sich darauf.

Am Ende, nach einem aufgeschlossenen Gespräch, in dem Jakob alle Laban Taten im Laufe der Jahre bitter wiedergibt, schlossen Laban und Jakob einen Bund und stellten einen Steinhaufen als Steinmal auf, dass keinen von ihnen überziehen wird.

Dieser Steinhaufe sei Zeuge und das Steinmal sei auch Zeuge, dass ich nicht an diesem Haufen vorüberziehe zu dir hin oder du vorüberziehst zu mir hin an diesem Haufen und diesem Mal in böser Absicht!“

 

 

 

Über Verzicht, Selbstopferung und ihr Honorar

In unserer wöchentlichen Parasha möchte Jacob eine passende Braut für sich finden. Zu diesem Zweck geht er zum Hause seines Onkels, Laban der Sohn von Batuel in Haran. Als er ankommt und Rachel trifft, entscheidet er, dass sie die richtige Frau/Braut für ihn ist. Er ist so leidenschaftlich und will sie heiraten, dass er sich bereit erklärt, sieben volle Jahre für sie zu arbeiten! Die Tora sagt, dass Jakobs Aufregung in diesen Jahren so gross war, dass sie ihm für einige Tage vorkam.

"So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als wären's einzelne Tage, so lieb hatte er sie." (Genesis 29:20)

 

Die Hochzeit

Der lang ersehnte Tag ist endlich angekommen und alle feiern und freuen sich. Alle - mit Ausnahme von Rachels älterer Schwester Leah, die eine nicht gerade rosige Zukunft vor sich hat.

 

Die Weisen sagen laut der Überlieferungstora:

Sobald Rachel Jakob geheiratet hat, sollte Leah seinen Bruder - Esau - heiraten. (Jacob und Esau sind zwei Brüder, sowie Rachel und Leah zwei Schwestern sind, sagten sie alle: "Gross für Gross und Klein für Klein".) Jacob, der nicht dumm ist (wir erinnern uns, wie klug er es geschafft hat, von seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht zu erlangen), vermutet, dass Laban Leah anstatt Rachel unter den Baldachin stellen wird, und weil er ihr Gesicht nicht sieht, wird er nicht wissen wer da steht. Also hat er mit Rachel im Voraus eine Art "geheimes Passwort" abgemacht, mit dessen Hilfe er überprüfen kann, ob es tatsächlich sie vor ihm steht.

Da steht Jacob aufgeregt und voller Vorfreude auf sein Glück... und hier kommt die Braut! Weil der Baldachin ihr Gesicht bedeckt, sieht man nicht, dass Laban tatsächlich seine beiden Töchter ausgetauscht hat - und tatsächlich ist die Braut, die unter dem Baldachin steht, niemand anders als Leah!

 

Jacob sollte sich zu ihr umdrehen und sagen: "Okay, jetzt sag mir, was das geheime Passwort ist, das wir zwischen uns abgemacht haben."
Leah wäre verlegen da gestanden und hätte nicht gewusst, was sie sagen sollte. Und so war der Trick von Laban für alle sichtbar! Jacob würde das Baldachin aufheben und die Lügen seines Onkels öffentlich machen, das gesamte Publikum würde seufzen und Leah, völlig gedemütigt, würde mit herzzerreissendem Weinen zu ihrem Zelt fliehen.

Aber nach der Tora Erzählung, was in Wirklichkeit geschah war ganz anders. Als Leah unter dem Baldachin erscheint, gibt sie das richtige Passwort aus! Warum? Weil Rachel sagte ihr was sie sagen soll. Rachel wusste, dass ihre Schwester schreckliche Demütigungen erleiden würde, wenn der Trick ans Licht kam. Sie gab lieber ihren Ehemann auf, der geduldig sieben lange Jahre wartete und auch das Risiko einging, dass sie eventuell Esau heiraten musste, nur um zu verhindern, dass ihre Schwester dies schreckliche erleidet! (Gemara, Schriftrolle 13:72).

Gibt es noch jemanden, der in der Lage wäre, wie Rachel, nachdem sie 7 Jahre gewartet hatte, alles aufzugeben, nur um eine andere Person nicht in eine demütigen Lage zu versetzten!?

Rachel hatte eine grossartige und heldenhafte Persönlichkeit. Kein Zufall, dass sie zu einer der vier Mütter gewählt wurde!
Opferung kommt im Hebräischen aus dem Wort "nahe", "ein Opfer zu bringen" bedeutet, etwas von sich für einen anderen oder Gott zu geben, um ihm näher zu stehen/kommen - "Gesegnet sei sein Namen!"

 

Moralische Gebote aus der Tora:

In der Tora gibt es grundlegende Gesetze, die es uns verbieten den Menschen  zu beschämen, sein Gesicht zu verlieren, oder ihn psychisch zu verletzen:

  • Opfergaben, die eine Person für besonders schwere Sünden opfern muss, werden an der gleichen Stelle geopfert, an der aller üblichen Opfergaben erbracht werden. Die Gemara (Sota, Seite 32-72) erklärt, dass der Betrachter von der Seite auf diese Weise nicht erkennen kann, wer die Person ist, die für die schwerere Sünde geopfert hat.
     
  • Wenn eine Person seiner Sünden gesteht (wie wir es bei Jom Kippur/Versöhnungstag alle tun), sollte dies in tiefen Tönen/leise geschehen, damit die Leute rund um ihn nicht zu hören bekommen.
     
  • Eine Person kann seiner Nächste zusätzlich zu physischen Schäden auch über psychischen und emotionalen Schäden verklagen - und insbesondere, wenn man ihn öffentlich beschämt hat! (Maimonides. Halichot Nezikin/Schadenersatz (3: 1-3: 6).
     
  • Maimonides erstellte eine Liste und stufte alle Arten von Wohltätigkeit nach verschiedenen Rängen ein. Er argumentierte, dass die höchste Ebene der Wohltätigkeit darin bestehe, dass der Spender und der Empfänger einander nicht kennen.
     
  • In der Vergangenheit, als jemand in der Synagoge zur Tora gerufen wurde, forderte der Halacha, dass er die Verse korrekt laut vorlesen sollte. Trotzdem haben unsere Weisen beschlossen, dass eine Person für alle gelesen werden sollte, da viele Menschen heutzutage nicht über das Wissen verfügen, in den richtigen Tönen die Thora richtig zu lesen. Dies wird die Schande über die jenen die Thora nicht gut lesen könnte verhindern.
     
  • Die Gemara geht sogar so weit und sagt: "Wer seines Freundes das bleiche Gesicht und öffentlich erörtert/beleidigt/in Verlegenheit bringen würde, ist es so, wie er sein Blut vergiessen würde/getötet hat.".
    Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass während des Errötens alles Blut im Körper schnell zum Gesicht fliesst, was zu einer Rötung führt. Sobald sich das Blut auflöst, wird das Gesicht bleich und blass. "Blasse Gesichts/jemand beschämen" ist dem Blutvergiessen sehr ähnlich. Und auf einer tieferen Ebene kann Scham die Person emotional "töten".

 

Sabbat shalom umvorach! 
Gesegnet seist DU voller Licht und Zuversicht, wann immer du nach draussen gehst und wieder zurück kommst, von jetzt an bis alle deine Tage erfüllt sind! AMEN!

 

 

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